Stoffkunde

Stoffe über Stoffe – Was sind Webstoffe, Jerseystoffe, Sweatstoffe, Fleecestoffe und Co.

Wir möchten Dir helfen Dich besser in der Vielfalt der Stoffe zum Nähen, Basteln und Dekorieren zurechtzufinden. Dafür haben wir hier eine kleine Stoff-Übersicht für Dich erstellt, in der wir Dir zeigen wie Webwaren, Jerseystoffe, Sweatstoffe, Fleecestoffe und Co. hergestellt werden, wie die Stoffe am besten verarbeitet werden und was Du alles Schönes draus machen kannst. Diese Übersicht richtet sich an NähanfängerInnen, Hobbyschneiderinnen und Hobbyschneider.

Was ist der Unterschied zwischen gewebten Stoffen und gestrickten Stoffen (Maschenwaren, wie Jerseystoffe, Sweatstoffe und Co.)?

Um es kurz zu sagen: der Unterschied zwischen Gewebe und Gestrick ist die Art wie Garne miteinander verbunden werden um eine textile Fläche (einen Stoff) zu erzeugen. Daraus resultieren unterschiedliche Eigenschaften und Handhabungsmerkmale der beiden Stoffarten.

Im Folgenden wollen wir Dir einen kleinen Einblick in die Herstellung von Geweben (Webstoffen) und Gestricken (Maschenwaren), deren Eigenschaften und deren Verarbeitung geben.

Gewebeherstellung:

Um ein Gewebe (Webstoff) zu erzeugen werden die Garne miteinander verwebt, das bedeutet, es werden Garne miteinander verkreuzt. Gewebe (Webstoffe) werden immer aus 2 Fadensystemen, zum einen den Kettfäden und zum anderen den Schussfäden hergestellt. In einem Gewebe gibt es immer mehrere Kettfäden, die längs zur Erzeugungsrichtung verlaufen und mehrere Schussfäden, die quer zur Erzeugungsrichtung verlaufen.

Gewebe können mittels verschiedener Bindungen hergestellt werden. Bei der einfachsten dieser Bindungen, der Leinwandbindung, werden Kett- und Schussfäden immer im Wechsel miteinander verkreuzt. Der Schussfaden verläuft immer einmal über (hoch) und einmal unter (tief) dem Kettfaden, somit liegt der Schussfaden immer einmal auf dem Kettfaden und einmal unter dem Kettfaden. Der zweite Schussfaden läuft genau gegengesetzt zum ersten Schussfaden. Wenn der Verlauf des ersten Schussfadens wie folgt aussieht: hoch-tief-hoch-tief-hoch-tief, dann verläuft der zweite Schussfaden: tief-hoch-tief-hoch-tief. Dieses Prinzip wird fortgesetzt bis zum fertigen Webstoff.

https://images.app.goo.gl/AR8Q8i6y62uaSUW98

Gewebe in Leinwandbindung; weis = Schussfäden, pink=Kettfäden

Wie eingangs erwähnt können Gewebe auf unterschiedliche Arten hergestellt werden, sie unterschieden sich in der Art und Weise wie die Kett- und Schussfäden miteinander verkreuzt werden. Es gibt 3 verschiedene Grundbindungen in der Weberei, aus denen jeweils weitere Ableitungen der Grundbindungen erzeugt werden können.

Die 3 Grundbindungen sind:

https://images.app.goo.gl/AR8Q8i6y62uaSUW98

Leinwandbindung

https://images.app.goo.gl/8oDcwHnBwHZHz6pZA

Köperbindung

https://images.app.goo.gl/ba3k75ZLbvtStaCR8

Atlasbindung

Eigenschaften von Geweben (Webstoffen):

  • Kett-Schussfäden werden verkreuzt, die Art der Verkreuzung richtet sich nach der gewählten Grundbindung oder deren Ableitung
  • Gewebe (Webstoffe) sind in der Regel nicht dehnbar und haben keinen Elastananteil
  • Schnittkanten müssen gegen Ausfransen gesichert werden
  • Sehr knitteranfällig – der Stoff sollte zwischen den einzelnen Verarbeitungsschritten und ganz am Ende gebügelt werden
  • Achtung Warenseiten – Gewebe sehen meist auf beiden Warenseiten fast identisch aus, es sollte trotzdem drauf geachtet werden immer die gleiche Seite als rechte Seite zu verwenden

Einsatz von Geweben (Webstoffen):

  • DOB – Damenoberbekleidung (Blusen, Hemden, Hosen, Röcke, Kleider etc.)
  • HAKA – Herren Anzüge und Knaben Anzüge (Hemden, Hosen, Sakkos, Jacken etc.)
  • Heimtextilien – Gardinen, Polsterbezüge, Kissenbezüge, Tischdecken etc.
  • Accessoires – Taschen, Rucksäcke, Mäppchen, Beutel etc.
  • Kuscheltiere, Dekorationen, Bastelprojekte

 

Gewebeverarbeitung:

Bei der Verarbeitung von Webstoffen musst Du ein paar Dinge beachten, damit Dein Nähprojekt zum Erfolg wird und Du es nicht frustriert in die Ecke wirfst.

Zu beachtende Punkt sind:

  • Ausrichtung des Schnittes am Fadenlauf
  • Zuschnitt mit einer Zuschneide- oder Stoffschere oder eine Zick-Zack-Schere (Zackenschere)
  • Sichern Deiner Schnittkanten entweder direkt nach dem Zuschnitt oder nachdem Du deine Schnitteile zusammengesetzt hast
  • Penible Einhaltung Deiner Nahtzugaben

Der Fadenlauf:

Webstoffe haben immer einen Fadenlauf, er befindet sich Längs zur Stofflänge (Erzeugungsrichtung), oder anders gesagt im rechten Winkel zur Stoffbreite. Dein Schnitt hat auch immer einen Fadenlauf eingezeichnet, das ist (meistens) ein langer senkrechter Pfeil, der mit Fadenlauf oder kurz: Fdl bezeichnet ist. Um nun richtig zuzuschneiden richtest Du den Fadenlauf des Stoffes mit dem Fadenlauf deines Schnittes aus. Das geht am einfachsten, wenn Du den Abstand zwischen der Webkante oder dem Stoffbruch und dem Fadenlauf des Schnittes einmal oben (Messpunkt 1) und einmal unten (Messpunkt 2) an deinem Schnitt ausmisst, wenn Du bei beiden Messpunkten den gleichen Abstand hast liegt Dein Schnitt richtig auf dem Webstoff. Am besten legst Du noch kleine Gewichte, oder dicke Bücher auf Dein Schnittmuster, dass es Dir nicht mehr verrutschen kann. Jetzt kannst Du deinen Schnitt abzeichnen.

Der Zuschnitt:

Nachdem du deinen Schnitt abgezeichnet hast geht’s an den Zuschnitt. Hierzu kannst du entweder eine ganz normale Zuschneide- oder Stoffschere oder eine Zick-Zack-Schere (Zackenschere) verwenden, mit der du entlang deiner abgezeichneten Linien schneidest.

Schnittkanten von Webstoffen neigen dazu auszufransen. Die geschnittenen Kanten sind nicht fixiert, dadurch rutschen die Fäden seitlich aus dem Stoffverbund. Wenn du es drauf anlegst könntest Du also den gesamten Stoff auflösen, in dem Du einfach ein Faden nach dem anderen aus der Kante löst, bis du lauter einzelne Fäden hast.

Dem kannst du entgegenwirken, indem du eine Zick-Zack-Schere (Zackenschere) verwendest, oder indem du im ersten Schritt deines Nähprozesses alle deine Schnittkanten mit einem Überwendlich-Stich (Overlock-Stich) oder einem Zick-Zack-Stich sicherst, das nennt man „versäubern“. Du kannst deine Schnittkanten auch erst versäubern, wenn Du deine Schnitteile zusammengesetzt hast. Wann Du deine Schnittkanten versäuberst kommt ganz darauf an, ob Du Deine Nahtzugaben auseinander bügeln möchtest oder nicht. Auseinander gebügelte Nahtzugaben tragen nicht so stark auf wie gemeinsam versäuberte Nahtzugaben.

Das Nähen von Geweben:

Jetzt geht’s endlich ans Nähen deines Teils. Zuerst kannst Du wie im Zuschnitt beschrieben, deine Schnittkanten versäubern oder du versäuberst erst, wenn Du deine Nähte geschlossen hast. Dazu nähst du alle deine Schnittkanten, seien sie noch so kurz, 1x mit der Overlock-Maschine oder dem Zick-Zack-Stich deiner Steppstichmaschine ab. Wenn du mit der Zick-Zack-Schere zugeschnitten hast kannst du dir diesen Arbeitsschritt sparen.

!!Ganz wichtig beim Nähen von Webstoffen ist, dass Du deine Nahtzugaben einhältst!!

Webstoffe haben meistens keinen Elastananteil und sind aufgrund der Flächenkonstruktion nicht dehnbar. Das bedeutet, wenn Du die Nahtzugaben nicht einhältst ist deine Bluse, dein Rock, dein Kleid oder was auch immer Du draus machst ganz schnell zu eng. Dann zwickt und zwackt Dein Teil und ist einfach unangenehm zu tragen. Das wäre total schade, denn Du hast schon so viel Zeit in Dein Nähprojekt gesteckt und möchtest es zum Schluss nicht anziehen, weil es unbequem ist und nicht richtig passt.

Herstellung von Gestricken (Maschenwaren):

Bei der Herstellung von Gestricken, wie beispielsweise Jersey, Sweatstoff, Interlock Jersey, Bündchenstoff oder Grobstrick werden Garne miteinander vermascht. Dies geschieht im Prinzip gleich, wie wenn Deine Oma Deine Wollsocken strickt, nur, dass es maschinell auf (großen) Rund- oder Flachstrickmaschinen gemacht wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Maschenware#/media/Datei:Dzianina_schemat.svg

Für gestrickte Meterwaren werden vorwiegend Rundstrickmaschinen eingesetzt, die den Stoff in einem Schlauch stricken. Der Schlauch wird entweder direkt an der Maschine oder in einem späteren Arbeitsschritt an einer Stelle aufgeschnitten um eine textile Fläche zu erhalten. Eine Rundstrickmaschine hat mehrere hundert Stricknadeln, die im Kreis angeordnet sind (Nadelkranz). Je mehr Nadeln auf dem Nadelkranz angeordnet sind, desto feiner wird der gestrickte Stoff

Gestricke können auf verschiedene Arten hergestellt werden:

Single Jersey – wird auf nur einem Nadelkranz gestrickt, deshalb hat er eine rechte (Vorderseite) und eine linke Seite (Rückseite).

Interlock-Jersey, Double Face, Romanit – wird auf 2 Nadelkränzen gestrickt, deshalb sieht er auf beiden Seiten vom Maschenbild her fast identisch aus. Er hat demnach zwei rechte Seiten. Bei diesen Stoffen kannst Du beide Seiten als Außenseite verwenden.

Sweatstoffe – werden auf einem Nadelkranz gestrickt, sie haben meistens einen Beifaden, der in einem späteren Arbeitsschritt angeraut wird um eine fleeceartige, kuschelige Innenseite zu erhalten.

French Terry (Sommersweat) – bei dieser Art von Sweatstoff wird der Beifaden nicht angeraut, sondern auf der Innenseite in kleine Schlaufen gelegt, was ein bisschen an ein Frotteehandtuch erinnert.

Es gibt natürlich noch jede Menge weitere Gestrickarten, die wir in einem späteren Kapitel noch genauer erklären.

Eigenschaften von Gestricken (Maschenwaren):

  • Meist querelastisch, bedingt durch die Herstellungsart
  • Meist mit Elastananteil um noch elastischer und formstabiler zu sein
  • Schnittkanten rollen sich ein
  • Kaum knitteranfällig – muss nicht gebügelt werden
  • Können linke und rechte Warenseiten haben (Single Jersey, Sweatstoffe), können aber auch auf beiden Seiten gleich aussehen (Interlock, Romanit, Double Face)

Einsatz von Gestricken (Maschenwaren):

  • DOB – Damenoberbekleidung (Blusen, Hosen, Röcke, Kleider, etc.)
  • HAKA – Herren Anzüge und Knaben Anzüge (Hosen, Sakkos, Jacken, etc.)
  • Heimtextilien – Polsterbezüge, Kissenbezüge, Tischdecken etc.

 

 

 

Verarbeitung von Gestricken (Maschenwaren):

Auch bei der Verarbeitung von Maschenwaren musst Du auf ein paar Dinge achten, damit Dein Nähprojekt zum Erfolg wird.

Zu beachtende Punkte sind:

    • Ausrichtung des Schnittes am Maschenlauf
    • Zuschnitt mit einer Zuschneide- oder Stoffschere
    • Elastischen Stich (Zick-Zack-Stich oder Überwendlich-/Overlockstich) verwenden, sonst bricht die Naht (reißt der Nähfaden), wenn der Stoff sich dehnt

Der Maschenlauf:

Der Maschenlauf bei Gestricken ist, wie der Fadenlauf bei Geweben, immer im rechten Winkel zur Stoffbreite. Dein Schnitt hat auch immer einen Maschenlauf eingezeichnet, das ist meistens ein langer senkrechter Pfeil, der mit Maschenlauf oder ML bezeichnet ist. Um nun den Schnitt richtig auf Deinem Stoff zu platzieren musst du den Maschenlauf Deines Stoffes mit dem Maschenlauf Deines Schnittes ausrichten. Das geht am einfachsten in dem Du den Abstand Deiner Schnittkante oder Deinem Stoffbruch zum Maschenlaufpfeil einmal am obersten Punkt des Pfeils und einmal am untersten Punkt des Pfeils misst. Hast Du an beiden Punkten den gleichen Abstand liegt Dein Schnittmuster richtig. Jetzt beschwerst Du deine Schnittmuster am besten noch mit kleinen Gewichten oder schweren Büchern und zeichnest in ab.

Der Zuschnitt:

Nachdem Du den Schnitt abgezeichnet hast, nimmst du eine Zuschneide- oder Stoffschere und schneidest entlang deiner gezeichneten Linien. Wenn du mehrere Stofflagen miteinander schneidest kann es hilfreich sein die Gewichte auf dem Stoff liegen zu lassen, damit sich nichts verschiebt.

Das Nähen von Gestricken:

Gestricke wie Jerseys, Sweatstoffe und Co. sind aufgrund ihrer Flächenkonstruktion elastisch, daher musst Du auch unbedingt einen elastischen Stich zum Nähen dieser Stoffe verwenden. Verwendest Du einen normalen Steppstich wird Dir die Naht auf jeden Fall brechen/reißen, wenn der Stoff sich dehnt.

Am besten verwendest Du daher einen Überwendlich-/Overlock-Stich, dieser Stich bietet viel Fadenvorrat und ist dadurch dehnbar. Solltest Du keine Overlockmaschine besitzen ist das aber auch kein Problem, dann stellst Du bei Deiner Steppstichmaschine einen Zick-Zack-Stich ein, dieser ist auch elastisch.

Auch beim Nähen von Jerseys, Sweatstoffen und Co. solltest du auf die Einhaltung Deiner Nahtzugaben achten, allerdings verzeiht diese Art von Stoff kleine Unachtsamkeiten besser als ein gewebter Stoff.

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